Kurtai der Amazonen Kap. 2

2

Zwei schlanke Körper glitten mühelos und schnell durch die Wassermassen, die sie umgaben. Der ausgedehnte Meeresarm war groß und zerklüftet, sodass ihr Ziel viele Möglichkeiten hatte sich zu verbergen und sich genau da aufzuhalten, wo sie gerade nicht waren. Während die beiden Dryaden gelegentlich verlangsamten, um sich suchend umzublicken, umrahmten grüne Haare ihre besorgten Gesichtszüge, die im Wasser ein seltsames Eigenleben zu führen schienen, so sanft, wie sie sich bewegten. Beschleunigten die beiden Naturgeister wieder, lösten sich einige kleine Gasbläschen von ihren Mähnen und strebten der gut zwanzig Meter höher liegenden Wasseroberfläche entgegen.

„Hiriko!“ Nirilisʼ Stimme schallte durch das zwielichtige Nass, als wäre es Luft, und ließ die schnell schwimmende Dryade in die Richtung ihrer Freundin blicken. Diese fuchtelte mit ihren Armen und deutete dabei in eine spezielle Richtung, während sie weiter rief: „Da unten, ist das Ding da das, was wir suchen?“

Tanakas Blick folgte dem Fingerzeig und entdeckte nun auch einen großen, grünen, wabernden Klumpen, der träge durchs Wasser trieb und sich mit einigen gemächlich schlagenden Tentakelauswüchsen vorwärts bewegte.

„Ja, ich glaube schon“, entgegnete sie unsicher.

Irgendwie hatte sie gehofft, dass die Beschreibung von Tilsegs Zustand übertrieben gewesen wäre und schauderte nun innerlich, als sie auf das unförmige Wesen unter sich zusteuerte. Zwei Armeslängen von dem Etwas, das vielleicht Tilseg war, beendete die Dryade ihre Annährung und starrte das unförmige Ding an, das zu ihrem Entsetzen zurückstarrte.

Der Leib der Kreatur war unförmig und massiv. Viel voluminöser, als es sich Hiriko vorgestellt hatte. Inmitten der grünen Masse, die ebenfalls anhielt, als sie die Dryade erblickte, saß ein menschliches Auge. Tilsegs Auge!

Sie hatte ihn tatsächlich gefunden. Schuldgefühle und Freude rangen in ihrem Inneren miteinander, bis sie sich zu einem vorsichtigen ‚Hi, durchringen konnte.

Der Klumpen reagierte nicht, glotzte sie aber weiter an.

„Hallo Tilseg, erkennst du mich?“

Das Ding näherte sich langsam, Hiriko wich zurück.

„Es wäre mir lieber, wenn wir erstmal nicht kuscheln. Ja?“

Das Wesen verformte sich unablässig, hielt aber schließlich an, ohne eine wirkliche Form auszuprägen. Sie stoppte ebenso.

„So ist besser.“

„Sei vorsichtig“, mahnte Nirilis.

„Bin ich doch.“

„Ich finde, das Ding sieht gefährlich aus.“

„Ich halte doch Abstand. Das ist ein Freund von mir, der Hilfe braucht. Du musst keine Angst haben, er wird mir bestimmt nichts tun!“

Wie um ihre Worte Hohn zu strafen, schoss plötzlich ein Tentakel aus dem Leib des Grünen, als Hiriko ihren Blick von ihm abwandte, um ihrer Freundin aufmunternd zuzulächeln.

„Nein!“ Nirilisʼ Schrei schallte durch das Wasser, doch es war zu spät. Unter den ungläubigen Blicken der Nymphe drang die Spitze der Tentakel in den Bauch ihrer Freundin ein.

Hier geht es zum nächsten Kapitel

Die ganze Geschichte ist überall als E-Book , sowie über Amazon auch als Softcover und bald bei BoD und anderen Buchhändlern als Hardcover erhältlich.