Clan der Astronauten Kap.2

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Ronja saß auf ihrem Bett und starrte missmutig die verschlossene Türe ihres Zimmers an. Tiefer Groll brodelte in ihr. Das Gespräch mit ihrer Mutter war alles andere als gut gelaufen. Obwohl ihre Erklärung, dass sie den Clan der Astronauten nur eskortiert habe, um die Interessen ihrer Mutter und des Clans zu schützen, in ihren Augen schlüssig war und der Wahrheit entsprach, hatte die Königin ihr nicht geglaubt. Sie fluchte.

Alleine die Tatsache, dass sie Ashley und die Astronauten in Schutz nahm, weckte das Misstrauen ihrer Mutter. Aber nachdem die Weisen Frauen die rothaarige Prinzessin untersucht hatten, setzte die Königin sie unter Stubenarrest. Nur weil sie geflucht hatte. Gut, sie wusste auch nicht genau, warum sie in der Sprache der Astronauten fluchte und auch nicht, warum sie diese sprechen konnte und verstand. Magie hatte Nebenwirkungen. Das wusste jeder! Wenn das die einzigen Nebenwirkungen ihrer Heilung waren, sollte ihre Mutter doch froh sein.

Aber nein, ihr wurde unterstellt, dass sie in irgendeiner Form durch die Herrin der Säbelfanten kontrolliert werden würde. Dabei hatten die Weisen Frauen keinerlei Anhaltspunkte für aktive Zauberei bei ihr feststellen können, doch war sie nach wie vor hier eingesperrt. Ronja fluchte wieder. Das war ungerecht, dumm und langweilig. Engstirnig war es auch. Ihre Mutter kannte weder Ashley noch die Anderen. Sie wusste nichts über die freien Beweggründe der Männer, die sich den Astronauten angeschlossen hatten.

Es war der Königin egal, dass ihre eigene Tochter die Wahrheit sprach. Schuld war irgendein böser Zauber, unter dem sie, ihre Begleiterinnen und auch alle Männer standen. Fertig! Das war doch viel einfacher, als zu überlegen, warum die Männer nicht unter der Herrschaft des Clans der Vier Flüsse bleiben wollten oder darüber nachzudenken, wie es wohl um ihre eigenen Dörfer bestellt war. Oder warum ihre Tochter lieber mit einer Horde Fremder umherzog, als zu ihrer Königin zurückzukehren. So ein verfluchter Mist!

Während die Prinzessin erneut sehr unstandesgemäß fluchte, klopfte es leise an der Türe. Gleichzeitig vernahm sie das Knacken des Türschlosses.

„Wer ist da?“

Eine, für eine Amazone zierliche Frau schlüpfte durch den schmalen Spalt, den sie geöffnet hatte, nur um ihn schnell wieder zu schließen. In die Lederrüstung einer Schwertschwester gekleidet, drehte sich die Unbekannte anschließend zu Ronja um und wischte sich eine Kapuze vom schwarz gelockten Kopf.

„Ich bin Anna, Prinzessin. Entschuldigt, wenn ich Euch erschreckt habe.“

„Du hast mich nicht erschreckt. Was willst du?“

„Ich bin nur hier, um nach Euch zu sehen.“

„Warum? Ich kenne dich nicht.“

„Meine Schwertschwester Esmeralda hat mich geschickt.“

„Esmeralda kenne ich, aber warum sollte sie dich schicken?“

„Sie machen sich Sorgen um Euch nach dem, was mit Barbara passiert ist.“

„Barbara, die Hammerträgerin? Was ist mit ihr?“

„Sie ist nicht länger die Hammerträgerin, da sie die heilige Waffe verloren hat. Ihr wird außerdem vorgeworfen, das heilige Artefakt kampflos dem Feind überlassen zu haben.“

„Was? Aber sie hat gekämpft. Wann ist die Verhandlung?“

„Sie war gestern. Während des Tribunals hat sich Barbara nicht verteidigt und wurde für schuldig befunden. Sie gilt nun als Verräterin und wurde aus dem Clan verbannt.“

„Aber Barbara ist eine Heldin! Sie ist eine verdiente Kriegerin des Clans und wird auch über unsere Grenzen hinweg respektiert.“

„Und doch ist sie fortan eine Vogelfreie“, entgegnete ihre Besucherin. „Und Ihr sollt fortgebracht werden.“

„Ich?“ Ronja war aufrichtig überrascht. „Wohin denn?“

„Wir wissen es nicht genau. Vermutlich in eins der drei Klöster der Weisen Frauen. Aber welches davon Euer Ziel sein wird, weiß ich nicht.“

„Meine Mutter schickt mich allen Ernstes ins Kloster? Ist das dein Ernst?“

Die Schwarzhaarige nickte stumm.

„Ich kann es einfach nicht glauben!“ Sie fluchte. „Weißt du, wann ich aufbrechen soll oder wie lange ich dort verweilen muss?“

„Die Abreisevorbereitungen für Euch laufen bereits, Prinzessin. Aber wie lange Ihr im Kloster bleiben sollt, kann ich Euch nicht sagen.“

„Ich aber.“

Anna blickte ihre Prinzessin schweigend an, konnte aber ihre Überraschung nicht verbergen.

„Wenn es nach mir geht, werde ich gar nicht erst dort ankommen!“

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