Clan der Astronauten Kap.1

1

Ashley Bender, Herrin der Säbelfanten und ehemalige Astronautin und Bordingenieuren des experimentellen Hyperraumschiffs Sirius7 kauerte im hohen Gras. Neben ihr hockte ihr treuer Säbelfant und grollte leise. Das große, säbelzahnbewehrte Rüsseltier, das ihr bester Freund und Reittier in einem war, spitzte erregt seine Ohren und beobachtete genau wie seine Herrin die kleine Stadt, die sich in eine Flussgabelung schmiegte.

Die Blondine fluchte leise vor sich her, während sie dabei zusah, wie eine weitere Gruppe in Metallrüstung gepanzerter Frauen auf schweren Pferden in die Stadt einritten.

„Das wird eine harte Nuss“, brummte sie schließlich, bevor sie sich langsam zurückzog. Die freie Fahrt der letzten Tage war aber auch zu schön gewesen, um wahr zu sein.

Seit sie über die Berge in dieses Land gekommen waren, hatten die hier lebenden dummen Weiber nichts Besseres zu tun, als Ärger zu machen. Dabei waren sie ursprünglich hierhergekommen, um Menschen zu treffen. Und als sie endlich auf sie stießen, stellte sich heraus, dass sich die Bevölkerung überwiegend aus streitlustigen Frauen und devoten Männern zusammensetzte.

Dass Frauen hier mehr zu sagen hatten als Männer, störte Ashley im Grunde nicht weiter. Aber die hiesige Umsetzung! Als hätte man steinzeitliches Denken einfach auf den Kopf gestellt.

Hier waren die Frauen aggressive, muskelbepackte Machos, die Männer in Dörfern hielten und sie ziemlich schlecht behandelten. Die jungen Männer wurden als Lustsklaven und Arbeitstiere gehalten. Die älteren dienten zur Aufzucht und Pflege in den Dörfern.

Emanzipation und Frauenpower war ja soweit okay. Aber so wie hier ging das gar nicht klar. Trotzdem hatte sie sich an den Plan gehalten, den sie und ihre Freunde vor einigen Tagen beschlossen hatten, und die Dörfer gemieden.

Natürlich hatte so eine große Gruppe wie ihre Aufmerksamkeit erregt. Weder die kleine Armada aus mehr als achtzig Booten und vier Schiffen, noch ihre Hundertschaft aus Reitern, die dem Flussverlauf auf großen Reitschweinen und Pferden folgten, war besonders unauffällig.

Dass ihre etwa vierhundertfünfzig Personen starke Gruppe außerdem größtenteils aus Menschenmännern, Orks und Goblins bestand, sah man in dieser Gegend auch nicht alle Tage.

Zunächst war ihr Plan auch aufgegangen. Sie hatten das Dutzend Dörfer, auf die sie unterwegs stießen, zügig passiert und waren gut vorangekommen. Doch die nun vor ihnen liegende Siedlung war nicht so einfach zu ignorieren. Die Amazonen vom Clan der Vier Flüsse, die sich dort offensichtlich aufhielten, hatten hier einen regelrechten Militärstützpunkt errichtet.

Die von zwei Palisadenwällen geschützte Ansiedlung bot zu allem Überdruss auch noch den einzigen Weg für die Berittenen ihrer Gruppe, den Fluss mithilfe zweier Brücken zu überqueren.

Ein langer hölzerner Steg auf der linken Seite der Wehranlage überspannte den südlichen Fluss, der das Territorium der Vier Flüsse von dem der Küstenjäger trennte. Der nördliche Strom wurde sogar von einer steinernen Brücke überspannt. Diese Tatsache hatte Ashley erfreut.

Der Wasserspiegel lag tief genug unter den Bögen des Bauwerks, dass selbst ihre Schiffe darunter hindurch passen würden. Einen Steg an dieser Stelle hätten sie nicht so ohne weiteres überwinden können.

Als sie angefangen hatten, diese Gewässer zu befahren, befand sich jenseits des gegenüberliegenden Ufers noch das Land vom Clan der Wogenden Wipfel.

Doch schon eine Weile gehörte die weite Graslandschaft dem Clan der Singenden Hufe, den sie bisher nur flüchtig kennengelernt hatten. Anders als die Frauen der Wogenden Wipfel, die ein sehr widersprüchliches Verhältnis zu ihnen hatten, und der Vier Flüsse, die ihnen feindlich gegenüberstanden, da die meisten männlichen Menschen in ihrer Schar aus ihren Dörfern stammten, verhielten sich die Singenden Hufe neutral.

Die Frauen hatten sie schnell entdeckt, nachdem ihre Gruppe das offene Gelände durchquerte, was nun bis zur Küste vor ihnen liegen sollte. Einen Tag nach ihrer Entdeckung hatte eine Gruppe dieses Clans mit ihnen Kontakt aufgenommen. Sie waren über die seltsame Schar, die vor ihnen stand, zwar sehr erstaunt, blieben aber gefasst und waren zu Gesprächen bereit.

Nachdem einige Schafe und Ziegen die Seite gewechselt hatten, tolerierten diese Amazonen, dass der Clan der Astronauten an ihrem Ufer über Nacht rastete. Trotzdem bestanden sie auf einem zügigen Aufbruch.

Die Singenden Hufe hatte ein ausgeklügeltes Informationssystem aus Rauchfahnen und Lichtsignalen, wodurch ihre Vorbeifahrt an Dörfern dieses Clans den Amazonen schon vorher bekannt war und sie von einer Delegation der Frauen erwartet wurden, die sicherstellten, dass sie sich an die Vereinbarung hielten.

Die Rauchschwaden und Leuchtfeuer hatten sie gelegentlich selbst gesehen, doch hatte erst Brunhilde ihnen erklärt, was es damit auf sich hatte. Sie war es auch, die ihnen von der Stadt erzählte, die sich Ashley soeben angesehen hatte. Brunhilde war eine von vier Amazonen vom Clan der Wogenden Wipfel, die sie begleiteten. Die Kriegerinnen hatten sich den Astronauten nicht angeschlossen, sondern waren nur wegen Ashleys Waffe bei ihnen.

Ein aberwitzig überdimensionierter Steinhammer, den sie einer Amazone abgenommen hatte, nachdem sie die Kriegerin besiegte und den sie entgegen der gültigen Naturgesetze mit Leichtigkeit führen konnte.

Andererseits hatte es noch niemand anderes geschafft ihn anzuheben, seit er in ihrem Besitz war. Und es hatte so ziemlich jeder bereits einmal versucht. Auch Brunhilde und ihren Freundinnen war es nur gemeinsam gelungen, den Hammerkopf ein winziges Stück vom Boden zu heben, bevor sie ihn wieder absetzen mussten.

Selbst Junior, der einzige Oger ihrer Gruppe und Adoptivzögling ihrer Crewkameradin Hiriko hatte mit einer Ausdauer und Sturheit an der Waffe gezogen, die nur ein Oger aufbringen konnte. Doch schließlich musste auch er einsehen, dass diese schöne, mächtige Waffe eine Nummer zu groß für ihn war. Seitdem betrachtete Junior sie mit ganz anderen Augen. Ashley seufzte. Das fehlte ihr gerade noch. Ein in sie verliebter Oger! Sie wollte sich bereits abwenden, als sie Aktivitäten auf der Brücke bemerkte, die ihr bisher entgangen waren.

„Was machen die denn da?“

Angestrengt späte die Blondine zur Brückenkonstruktion. Sie konnte eine Reihe von Gestalten ausmachen, die mit etwas am Boden beschäftigt waren, das sich entlang der gesamten Brückenspanne erstreckte.

„Was ist das nur?“ Die Frauen hantierten mit etwas, das Ashley aus dieser Entfernung ein wenig an zu Hause erinnerte. So hatte ihr Vater mit Lichterketten hantiert und sie selbst als Helfer mit Girlanden und so einem Zeug, wenn Festtage anstanden. „Machen die eine Party?“

Ein weiteres intensives Starren ließ die Amerikanerin weitere Details erahnen, die andere Erinnerungen auslösten. Das Boot eines Freundes in einem kleinen Hafenbecken, das überwiegend von Fischerbooten genutzt wurde. An die Fischer, an denen sie vorbeiging, wenn sie ihn besuchte, während sie ihre Netze entwirrten und ihr auf den Arsch starrten.

„Netze! Diese Drecksweiber wollen uns ʼne Falle stellen!“

Noch einmal ließ sie ihren Blick umherschweifen, dann zog sie sich still, aber zügig zurück. Als sie ihrer Meinung nach genügend Abstand zur Siedlung gewonnen hatte, um ihren Säbelfant zu besteigen, ging es noch schneller voran. Von nun an würde es nicht mehr lange dauern, bis sie auf die Vorhut ihrer Leute treffen würde. Und dann gab es einiges zu bereden.

Hier geht es zum nächsten Kapitel

Die ganze Geschichte ist überall als E-Book , sowie über Amazon auch als Softcover und bei BoD und anderen Buchhändlern als Hardcover erhältlich.