45 Seitige Leseprobe zu Land der Astronauten

Thorsten Hoß

Land der Astronauten

Die Crew der Sirius7, Band 5

Ein LUNARIA-Roman

 Für meine Nichten.

 

 

Prolog

Inmitten eines dichten Waldes, der sich entlang der nördlichen Grenzen der Amazonengebiete erstreckte, stand ein einsamer Turm mitten in der Wildnis. Das hohe Gebäude, dessen Spitze sogar die Kronen der ihn umgebenden Bäume überragte, hatte schon bessere Zeiten erlebt und erst vor kurzem schweren Schaden genommen.

Im unteren Teil, gut fünf Meter über dem Boden, klaffte ein großes Loch in dem dicken Mauerwerk, von dessen Rändern immer wieder einzelne Steinklumpen abbrachen und polternd in die Tiefe stürzten.

Wer am Fuß des Bauwerks stand und dort, die herumliegenden Leichen ignorierend, zu dem Loch emporschaute, konnte eine etwas angeekelte Stimme vernehmen. Schwach, aber verständlich.

„Wer auch immer das hier getan hat, er hat nicht alles aufgegessen. Seht doch!“ Angewidert deutete der große sprechende Höhlenbär mit seiner Schnauze in eine Richtung des Zimmers, in dem das Loch klaffte. „Das Bein da war früher mal mit dem Geierkopf verbunden.“

„Dasch ischt wohl scho.“ Die Stimme des Wolfsmenschen klang nachdenklich. „Diesche Federn schind ein schicheresch Scheichen dafür.“

Noch ein Schnauzenschwenk des Bären, dieses Mal in eine anderen Richtung. „Und dann das da. Ich denke, das hat mal dem Meister gehört. Seht ihr seinen Ring?“

Die Blicke seiner Begleiter folgten den Gesten des Tiers. und betrachteten nun einen enorm großen Kothaufen inmitten einer ausgedehnten Blutlache.

„Mist“, äußerte sich der dritte in ihrer Runde. Dabei handelte es sich um einen gewaltigen Minotaurus, gegen den selbst der Höhlenbär schmächtig wirkte.

„Schicher, Krogar, ich schehe esch auch. Schogar ein schiemlich groscher Haufen Scheischsche ist dasch da.“ Der Wolfsmensch fletschte die Zähne und knurrte leise. „Wasch für eine Schauerei. Hier ischt richtig schlimm wasch schiefgegangen.“

Bo der Bär nickte zustimmend und schaute den Wolfsmenschen an.

„Was machen wir den jetzt, Dragar?“

„Dasch weisch ich auch noch nicht. Aber der Meischter ischt mit Schicherheit tot. Daran beschteht kein Schweifel. Ich rieche schein Blut, dasch ischt hier überall. Und den Ring da hat er schicher nicht einfach scho verloren.“

„Wurde gefressen.“

„Du schagst esch, Krogar. Dasch denke ich auch.“

„Wo sind eigentlich die ganzen Läusekäfer? Man sollte doch meinen, dass der Scheißhaufen hier ein gefundenes Fressen für sie ist.“

„Wasch weisch denn ich? Dasch Krabbelvieh intereschschiert mich nicht schonderlich. Aber da fällt mir wasch anderesch ein. Wasch meint ihr, ischt Asch wohl auch Teil von dem Scheischhaufen da?“

„So wie ich die feige Natter kenne, war der schon weg, bevor das da passiert ist.“ Der Bär rümpfte wieder die Nase. „Hier stinkt es widerlich, lasst uns woanders hingehen.“

„Schtimmt. Diescher Geschtank ischt schrecklich. Lascht unsch Asch schuchen“, schlug der Wolfsmensch vor. „Der scholl uns schagen, wasch hier losch war und wer den rieschen Scheischhaufen dagelaschschen hat.“

„Gut, aber was machen wir mit den Jungen?“

„Wasch scholl diesche Frage, Bo? Wasch scholl mit ihnen schein?“

„Sind eingesperrt.“

„Richtig, Krogar. Und ich bin schehr froh, dasch dasch scho ischt.“

„Ja, gut. Und was machen wir jetzt mit denen? Ich meine, der Meister brauch sie ja nicht mehr.“

„Laschschen wir schie, wo sie sind.  Wir haben schie für den Meischter gefangen und unschere Aufgabe abgeschloschschen.  Wasch schollen wir jescht noch mit ihnen?“

„Wir könnten sie doch laufen lassen?“

„Woschu? Schie haben esch unsch nicht leicht gemacht schie hierher schu bringen. Weggeschloschschen schind schie mir lieber.“

„Aber es sind doch Junge!“

„Nicht nett!“

„Schtimmt, Krogar. Diesche Bälger schind eigenschinnig, schturr und trotschig. Auscherdem habe ich keine Luscht weiter auf schie aufschupaschschen. Schollen schie schelber schehen, wasch schie nun machen. Schie bedeuten nur Ärger für unsch und gehen unsch überdiesch nichtsch mehr an.“

„Aber …“

„Schlusch jetscht!“

Der Bär verstummte, der Ochsenmann schwieg weiter. Trotzdem rührten die beiden deutlich größeren Begleiter Dragars sich nicht von der Stelle.

„Na losch, ich will endlich wischschen wasch hier vorgefallen ischt. Dann schehen wir weiter!“

Nun reagierten seine Gefährten doch. Gemeinsam verließen sie den Raum, um nach dem verschollenen Schlangenmenschen zu suchen, der sich Asss nannte.

Währenddessen brach ein weiteres Mauerstück ab und fiel in die Tiefe. Kleine Risse zeigten einem versierten Beobachter, dass es um die Stabilität des Gemäuers nicht zum Besten stand. Nur leider war hier nirgends jemand, der diese Bezeichnung in Anspruch nehmen konnte.

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